Fairer Handel und lokale Produkte: gemeinsamer Kampf für mehr Gerechtigkeit

1. September 2025

Während des Festi’Terroir in Genf fand der internationale faire Handel seinen Platz neben der lokalen Landwirtschaft. Beide verfolgen dasselbe Ziel: Lieferketten gerechter, transparenter und nachhaltiger zu gestalten. Durch die Kombination von lokaler Produktion und fairen Importen, ist es möglich, faire Preise zu gewährleisten, die Umweltbelastung zu verringern und Produzentengemeinschaften im In- sowie im Ausland zu unterstützen. Die Botschaft ist klar: Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit gehen lokal wie international Hand in Hand.

Bei der 7. Ausgabe des Festi’Terroir spazierten rund 30’000 Menschen durch die Gassen der Bastions in Genf, um etwa 90 Aussteller:innen zu treffen, Gemüse und Obst, Brot, Käse, Aufschnitt, Honig, Konfitüren, Limonaden und Craft-Bier zu entdecken, und eine lokale Landwirtschaft zu unterstützen, die die Verbindung zwischen Produzenten und Konsumenten fördert.

Über das Genfer Terroir hinaus teilt der internationale faire Handel dieselbe Philosophie: kürzere, transparentere und gerechtere Lieferketten zu fördern sowie die Produzent:innen und Konsument:innen näher zusammenbringen. Die Freiwilligen des Fairtrade-Weltladens Le Balafon präsentierten an unserem Stand die getrockneten Früchte von Terrespoir und die Schokolade von Fairafric. Diese Produkte wurden vollständig in Kamerun und Ghana hergestellt und veranschaulichen perfekt das Prinzip, dass der Mehrwert vor Ort bleibt und den Produzent:innen ein faires Einkommen bietet. Daneben bot Gebana Trockenfrüchte nach dem gleichen Ansatz unter dem Motto „Wir machen Lokales im Ausland” an. Die Besucher:innen konnten so konkret erleben, dass fairer Einkauf bedeutet, verantwortungsbewusste Praktiken zu unterstützen und den produzierenden Gemeinschaften ein würdiges Leben zu ermöglichen.

Mit unserer Teilnahme wollten wir auch einige gängige Vorurteile widerlegen:

  • Lokal ≠ nachhaltig: Manche Betriebe setzen Pestizide ein, beheizen Gewächshäuser, übernutzen Böden oder bezahlen ihre Arbeiter:innen nicht fair.
  • Entfernung ≠ Auswirkungen: Der Transport ist nicht der wichtigste Faktor für den CO2-Fussabdruck; die Produktionsweise und die landwirtschaftlichen Techniken haben einen viel entscheidenderen Einfluss auf die Umwelt.
  • Lokal ≠ fair: Eine Herausforderung in der Schweiz wie auch im Ausland; faire Preise und nachhaltige Praktiken müssen überall gewährleistet sein.

Durch die Kombination von lokal und fair fördern wir einen kohärenteren und verantwortungsbewussteren Konsum. Wenn 52 % unserer Lebensmittel in der Schweiz erzeugt werden können, sind wir auf verantwortungsvolle Importe angewiesen für Produkte, die lokal nicht angebaut oder verarbeitet werden können: Kaffee, Kakao, Gewürze, exotische Früchte… Die Entscheidung für Fair Trade Produkte trägt dazu bei, menschenwürdige Bedingungen zu fördern und die Umwelt in den Erzeugerländern zu schützen. Tatsächlich entsteht etwa drei Viertel des ökologischen Fussabdrucks unseres Konsums in der Schweiz im Ausland.

Mehr als die Herkunft eines Produkts ist die Art und Weise, wie es angebaut oder hergestellt wird, entscheidend. Lokale und fair gehandelte Produkte können zu einem nachhaltigen Konsum beitragen, wenn sie strenge soziale und ökologische Kriterien erfüllen, wie beispielsweise emissionsarme Produktionsmethoden oder Methoden, die die Klimaresilienz fördern. Um die Vielfalt der Lebensmittel nachhaltig zu nutzen, spielen fair gehandelte Produkte eine wichtige Rolle, indem sie das ergänzen, was nicht lokal produziert werden kann.

Die Botschaft „Wir handeln lokal im Ausland“ macht Sinn: fairer Handel ergänzt und stärkt lokale Initiativen, statt sie zu verdrängen. Für Konsument:innen, die auf Qualität, Umwelt und Ethik Wert legen, ist die Unterstützung von sowohl lokalem als auch internationalem Handel ein kohärenter und notwendiger Weg zu einem gerechteren und nachhaltigeren Ernährungssystem.

Festi’Terroir hat diesen Dialog konkret umgesetzt: Selbst in einem von lokalen Produkten dominierten Umfeld ist der internationale faire Handel relevant, geschätzt und unverzichtbar, um Vielfalt zu ermöglichen und Ernährungsgerechtigkeit voranzutreiben. Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit können und müssen Hand in Hand gehen – hier wie auch im Ausland.

Unsere Tipps für verantwortungsbewussten Konsum:

1. Lokal & fair verbinden
Unterstütze Produzent:innen aus der Region und aus anderen Ländern. Fairer Handel ergänzt lokale Produkte, ersetzt sie aber nicht.

2. Auf Saisonalität achten
Bevorzuge Obst und Gemüse aus der Region, wenn es Saison hat. Vermeiden Sie Produkte, die ausserhalb der Saison in beheizten Gewächshäusern angebaut werden.

3. Nachhaltige Produktionsmethoden wählen
Wähle Bio, Agrarökologie, Agroforstwirtschaft. Verzichte auf intensive und stark chemische Landwirtschaft.

4. Globalen Auswirkungen betrachten
Die Produktion hat oft grössere Auswirkungen auf die Umwelt als der Transport.

5. Einen fairen Preis zahlen
Ein fairer Preis sichert den Produzent:innen ein angemessenes Einkommen und verringert Ungleichheiten. Künstlich niedrige Preise verbergen soziale und ökologische Kosten, die letztendlich von der Gesellschaft getragen werden (Umweltverschmutzung, öffentliche Gesundheit etc.).

6. Produkte mit hohen Emissionen reduzieren
Reduziere roten Fleischkonsum, Käse und stark verarbeitete Produkte. Bevorzuge frisches Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte (ihre Herkunft ist sekundär).

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