Wusstest du, dass jede Person in der Schweiz rund 22 kg* Kleidung und Textilien pro Jahr kauft?
Das sind 22 kg Textilien, die meist im Globalen Süden unter schlechten Arbeitsbedingungen und zu tiefen Löhnen produziert werden.
Und von diesem Kleiderberg landen dann rund
11 kg** pro Jahr und Person im Müll.
Das schreit danach, dass sich etwas ändern muss – #darumfair!

Das Gute ist, jede:r von uns kann schon im Kleinen etwas ändern. Und das nicht nur am World Fair Trade Day, der am 10. Mai 2025 stattfindet, sondern tagtäglich. Wie das geht und was du dazu wissen solltest, findest du in den Antworten auf die wichtigsten Fragen:
Wie sieht’s in der Textilbranche aus?
Die Textilbranche ist ein globaler Gigant: Weltweit arbeitet etwa jeder sechste Mensch in diesem Sektor. Doch meist sind die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern prekär. Viel zu lange Arbeitszeiten, teils gefährliche Arbeitsbedingungen, keine Arbeitsverträge und Löhne, die nicht mal zur Existenzsicherung ausreichen sind die traurige Norm. Gleichzeitig belastet die Produktion unsere Umwelt stark. Der Verbrauch von Wasser und Land ist enorm, und der Einsatz von Chemikalien sowie die Freisetzung von Mikroplastik belasten Ökosysteme. Hinzu kommt der beträchtliche CO₂-Fussabdruck der Branche: Schätzungen zufolge sind rund 10 % der weltweiten CO2-Emissionen auf die Mode- und Textilindustrie und ihre Lieferketten zurückzuführen. Das ist mehr als Luft- und Schifffahrt zusammen verursachen. Es wird deutlich, dass die Branche ein Makeover braucht.
Wo kann ich starten?
Keine Sorge, du musst nicht allein starten. Weltweit engagieren sich schon viele Initiativen, wie beispielsweise reflect your style oder Fashion Revolution, um eine Veränderung zu erreichen. Du kannst ihren Kanälen folgen, um laufend Einblicke zu bekommen und dich inspirieren zu lassen. Auch zahlreiche Brands und Unternehmen setzen ehrliche Nachhaltigkeitsbestrebungen um und schaffen tatsächliche Veränderung.
Wie du ganz einfach starten kannst, zeigen dir unsere 5 Tipps:
1. Mach dir‘s bewusst – kaufe weniger!
Bei deinem nächsten Einkauf, halte dir zuerst vor Augen, welche Auswirkungen deine Kaufentscheidung
auf die Umwelt und Menschen in anderen Ländern hat.
2. Vermeide Spontankäufe
Lass dich nicht von Rabatten und Angeboten lenken, sondern überlege dir bewusst,
welches neue Kleidungsstück du wirklich brauchst.
3. Achte auf Fair Trade Labels, Brands und Läden
PWenn du doch etwas Neues kaufst, achte auf entsprechende Nachhaltigkeitslabels
und entsprechende faire Brands und Läden. Mehr dazu weiter unten.
4. Leihe, tausche, bevorzuge Secondhand
Probier neue Wege. Leihe dir von Freund:innen Kleidung aus,
nutze Tauschangebote oder stöbere in Secondhandladen – on- und offline.
5. Repariere
Reparier kleine Löcher. Sehr oft kann man selbst etwas flicken,
einen Knopf wieder annähen oder die Hose kürzen.
Falls dir das schwer fällt, kannst du auch Reparaturangebote nutzen.
Wo finde ich nachhaltige Brands und Läden?
Zum Glück gibt es auch immer mehr Brands und Läden, die einen bewussten Fokus auf ein nachhaltiges Angebot setzen. Ein guter Startpunkt für deine nachhaltige Wahl ist die Liste der Mitglieder von Swiss Fair Trade. Diese Unternehmen leben Fairness und Nachhaltigkeit als Teil ihrer DNA.
Nachhaltige Kleider- und Textilbrands:
Kleiderläden mit Nachhaltigkeitsfokus (on- und/oder offline):
- glore
- Rrrevolve
- Tarzan
- Unica Fair Trade
- Lokale Läden, die du in deiner Fair Trade Town findest.
Generell ist es gut, wenn du dich vor einem Kauf fragst, wie transparent eine Brand ist. Nachhaltigkeit braucht Zeit und Engagement. Unternehmen, die sich wirklich dafür einsetzen und das offen kommunizieren, sind eine bessere Wahl als grosse Fast-Fashion-Anbieter.
Wie finde ich mich im Label Dschungel zurecht?
Du möchtest bewusste Kaufentscheidungen treffen, doch all die Labels und Zertifizierungen lösen oft Verwirrung aus? Hier findest du die drei umfangreichsten Nachhaltigkeitslabels. Und wenn du tiefer einsteigen möchtest, kannst du das mit dem Blogartikel von reflect your style oder auf labelinfo.ch.

Fairtrade Cotton
Das Fairtrade-Label für Baumwolle steht für fair angebaute und gehandelte Rohbaumwolle, die über alle Produktionsschritte direkt rückverfolgbar ist und getrennt von Nicht-Fairtrade-Baumwolle weiterverarbeitet wird. Fairtrade setzt sich für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen von Baumwollbäuerinnen und -bauern ein, indem sie für ihre Baumwolle stabile Mindestpreise und Fairtrade-Prämien erhalten.

Fair Wear
Fair Wear setzt sich für faire Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie ein. Sie arbeitet eng mit Brands, Herstellern und Fabriken zusammen, um sicherzustellen, dass Arbeitende angemessene Löhne erhalten, gerecht behandelt werden und in sicheren Arbeitsumgebungen arbeiten können. Fair Wear überprüft die Einhaltung von Sozialstandards entlang der gesamten Lieferkette und unterstützt Unternehmen dabei, Verbesserungen vorzunehmen.

GOTS (Global Organic Textile Standard)
Der GOTS-Standard ist eines der bekanntesten Labels für biologisch hergestellte Textilien. Kleidungsstücke mit diesem Label wurden unter strengen Kriterien produziert, die den Einsatz von schädlichen Chemikalien begrenzen und den Schutz der Umwelt gewährleisten. GOTS berücksichtigt auch soziale Standards entlang der gesamten Lieferkette.
Wie sehen die Arbeitsbedingungen für Näher:innen aus?
Das Wissen, dass Näher:innen im Globalen Süden unter schlechten Bedingungen arbeiten müssen, ist weit verbreitet. Aber wie sieht das genau aus? Und wie kann es auch anders funktionieren?
- Niedrige Löhne: Die Löhne reichen in vielen Fällen kaum zum Überleben und decken nicht die Grundbedürfnisse der Arbeiter:innen und ihrer Familien. Dieser sogenannte existenzsichernde Lohn wird leider kaum unter „normalen“ Umständen bezahlt.
- Lange Arbeitszeiten und Überstunden: Exzessive Arbeitszeiten von bis zu 16 Stunden täglich an sieben Tagen in der Woche sind keine Seltenheit. Auch Überstunden werden als gegeben angesehen und meist nicht angemessen bezahlt.
- Unsichere Arbeitsplätze: Viele Näher:innen haben Kurzzeitverträge oder gar keine Arbeitsverträge, was zwangsläufig zu fehlenden Rechten und mangelnder Sicherheit führt.
- Mangelnder Arbeitsschutz: Meist gibt es unzureichende Sicherheitsvorkehrungen in den Fabriken, dies verursacht regelmässig Arbeitsunfälle und generelle Gesundheitsrisiken.
- Behinderung von Gewerkschaften: Versuche, Gewerkschaften zu gründen oder sich für bessere Bedingungen einzusetzen, werden oft unterdrückt. Wer sich für seine Rechte einsetzen will, wird entlassen oder bedroht.
- Diskriminierung: Frauen, die die Mehrheit der Näher:innen ausmachen, sind häufig von Diskriminierung, sexueller Belästigung und schlechteren Bezahlung betroffen.
- Gesundheitliche Risiken: Monotone Arbeit unter hohem Zeitdruck, der Umgang mit Chemikalien und mangelnde Belüftung können zu gesundheitlichen Problemen führen.
Die Preise für Kleidung sind in den letzten Jahren stark gesunken – doch diesen Preis zahlen oft andere: Zum Beispiel die Näher:innen in den Produktionsländern. In der Modeindustrie herrscht ein immenser Preisdruck und es wird nach immer billigeren Produktionsstandorten gesucht – auf Kosten von Mensch und Umwelt.
Brücke le Pont berichtet, wie sich eine Textilarbeiterin für ihre Rechte einsetzt.
Aber es geht auch anders – Organisationen, wie die Mitglieder von Swiss Fair Trade, setzen sich für faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie ein. #darumfair
Naturaline Coop – Existenssichernde Löhne

Tat Nr. 418 – Existenzsichernde Löhne in der Textilproduktion
Seit April 2024 geht Coop naturaline einen wichtigen Schritt voran, um das Leben der Textilarbeiter:innen in China nachhaltig zu verbessern. Mit der Einführung eines Bonusprogramms ebnen sie den Weg, dass die Arbeiter:innen der letzten Verarbeitungsstufe, einen existenzsichernden Lohn zu erzielen – ein vorbildliches Engagement für soziale Verantwortung.
Wichtig ist zu wissen, dass die Partnerfabrik in China auch für andere Marken produziert. Deshalb kann Coop naturaline zumindest für ihren Teil Verantwortung übernehmen: Sie zahlen den Bonus, der die Lücke zu einem existenzsichernden Lohn schliesst, anteilig zu ihrem Produktionsvolumen in dieser Fabrik.
Die Vision ist jedoch klar: Wenn alle Abnehmer:innen dieser Fabrik diesem Beispiel folgen, erreichen die Arbeiter:innen den für ihre Region angemessenen existenzsichernden Lohn.
Bereits jetzt ist selbst für die Arbeiter:innen mit den niedrigsten Löhnen, der direkt über die Fabrik ausgezahlt wird, eine spürbare Verbesserung ihres Einkommens von rund 9 %. Das zeigt, dass gemeinsames Handeln positive Veränderungen bewirken kann und Unternehmen wie Coop naturaline erste wichtige Schritte setzen.
Was bedeutet das für die Umwelt?
Die immer exzessivere Textilproduktion hat auch schwerwiegende Folgen für unsere Umwelt. Vom Anbau über die Verarbeitung bis hin zu der immer kürzen Dauer, in der wir die Kleider nutzen, fallen massive Umweltschäden an.
- Wasserverbrauch und -verschmutzung: Die Textilproduktion, insbesondere der konventionelle Anbau von Baumwolle und Prozesse wie Färben benötigen enorme Mengen an Wasser. Dieses Wasser wird oft durch Chemikalien verunreinigt und in Flüsse und Seen geleitet, was Ökosysteme schädigt und die Gesundheit der lokalen Bevölkerung gefährdet.
- CO2-Emissionen: Die Modeindustrie trägt mittlerweile rund 10 % der globalen CO2-Emissionen bei. Dies liegt an energieintensiven Produktionsprozessen, dem Transport von Rohstoffen und fertigen Produkten über weite Strecken sowie dem hohen Konsum und der kurzen Nutzungsdauer von Kleidung.
- Chemikalien Einsatz: In der gesamten textilen Wertschöpfungskette werden zahlreiche Chemikalien eingesetzt, darunter Pestizide beim konventionellen Anbau von Naturfasern, Farbstoffe und Bleichmittel. Viele dieser Substanzen sind giftig, können sich in der Umwelt anreichern und gesundheitsschädlich für Arbeiter:innen und Konsument:innen sein.
- Abfallproduktion: Ein Grossteil der produzierten Kleidung landet bereits nach kurzer Nutzungsdauer auf Mülldeponien. Länder des Globalen Südens wie beispielsweise Ghana werden regelrecht mit alten Kleidern zugemüllt.
- Mikroplastik: Beim Waschen von Kleidung aus synthetischen Fasern wie Polyester, Nylon und Acryl lösen sich winzige Plastikpartikel (Mikroplastik) und gelangen ins Abwasser. Diese Mikroplastikteilchen tragen zur Verschmutzung der Ozeane bei und können von Meerestieren aufgenommen werden, wodurch sie in die Nahrungskette gelangen.
- Bodendegradierung: Der konventionelle Anbau von Rohstoffen wie Baumwolle benötigt grosse landwirtschaftliche Flächen und kann zu Bodendegradierung durch Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden führen.
Durch unsere Entscheidungen können wir positiven Einfluss darauf nehmen. Entscheidungen wie etwas länger zu tragen, zu reparieren, Secondhand zu kaufen oder bei Neukauf auf Nachhaltigkeitslabels zu achten machen einen tatsächlichen Unterschied. #darumfair
Fairtrade: Eine Chance auf eine bessere Zukunft
Fairtrade setzt sich für soziale Gerechtigkeit und eine nachhaltige Entwicklung ein. Baumwollbauernfamilien profitieren durch faire Preise und zusätzliche Prämien. Diese Prämien ermöglichen wichtige Gemeinschaftsprojekte wie Schulen und Gesundheitszentren und fördern eine umweltschonende Landwirtschaft. So hilft Fairtrade aktiv dabei, Armut zu bekämpfen und langfristige, positive Perspektiven zu schaffen. Das geschieht auf verschiedenen Ebenen:
Stärkung der Gemeinschaften
Sicheres Einkommen:
Fairtrade definiert Mindestpreise, die den Bauernfamilien ein stabiles Einkommen und Planungssicherheit geben.
Gemeinsam stark:
Zusätzliche Prämien fliessen in Gemeinschaftsprojekte, die das Leben verbessern und Zukunftsperspektiven für die Gemeinschaft schaffen.
Frei von Schulden:
Fairtrade hilft Bauernfamilien, sich von teuren Krediten für Betriebsmittel zu befreien.
Gesundheit und Wohlbefinden
Gesündere Umwelt, gesündere Menschen:
Eine Reihe von schädlichen Chemikalien und Pestiziden ist im Anbau von Fairtrade-Baumwolle verboten. Der Verzicht darauf reduziert Krankheiten und schützt vor hohen Gesundheitskosten.
Schutz unserer Erde
Sauberes Wasser für alle:
Durch den Verzicht auf schädliche Chemikalien bleiben die Wasserreserven sauber.
Nachhaltiges Wissen für eine bessere Zukunft:
Bauern und Bäuerinnen lernen umweltschonende Anbaumethoden, die zu gesünderen Böden führen.
Stark gegen den Klimawandel:
Verbesserte Anbaumethoden helfen den Bauernfamilien sich widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels aufzustellen.
Quellen:
* https://www.srf.ch/news/wirtschaft/fast-fashion-in-europa-ein-grosser-koffer-textilmuell-pro-kopf
** https://www.srf.ch/news/wirtschaft/fast-fashion-in-europa-ein-grosser-koffer-textilmuell-pro-kopf
