Local change for a better future: Rückblick auf die 19. Internationale Fair Trade Towns Konferenz 2026 in Belgien

4. November 2026

Vom 9. bis 11. Oktober 2026 trafen sich in Brüssel Engagierte aus aller Welt zur International Fair Trade Towns Conference unter dem Motto «Local Change for a Global Future». Auch eine Schweizer Fair Trade Town war vertreten: Franca Fellman aus Basel berichtet von inspirierenden Beispielen und neuen Impulsen für Schweizer Fair Trade Towns. Die Konferenz zeigte einmal mehr, wie viel lokales Engagement global bewegen kann.

Es freut mich besonders, dass mit der Stadt Basel auch eine Schweizer Fair Trade Town an der diesjährigen Konferenz vertreten war. Denn genau davon lebt unsere internationale Fair-Trade-Community: vom Austausch über Ländergrenzen hinweg, vom Teilen von Erfahrungen und davon, dass wir uns gegenseitig inspirieren und neue Ideen mit nach Hause nehmen. Die Konferenz hat einmal mehr gezeigt, wie viel wir voneinander lernen können und wie wichtig es ist, dass wir als Bewegung miteinander verbunden bleiben.

Welche Impulse Franca Fellmann, Verwaltungsmitarbeiterin der Stadt Basel, von der Konferenz mitgenommen hat, erzählt sie im folgenden Erfahrungsbericht:

Erfahrungsbericht: International Fair Trade Towns Conference 2026 in Brüssel

Unter dem Motto «Local Change for a Global Future» brachte die International Fair Trade Towns Conference Vertreter:innen aus Stadt- und Regional-Verwaltungen und Zivilgesellschaft aus aller Welt zusammen. Der internationale Austausch zeigte, wie vielfältig Fair Trade auf lokaler Ebene umgesetzt und mit weiteren Nachhaltigkeitsthemen verknüpft werden kann.

Im Workshop zu erfolgreichen Aktionen anderer Fair-Trade-Städte wurden verschiedene Ansätze vorgestellt, die auch für Basel Impulse bieten: So organisiert eine flämische Stadt mit der «Faire Rond» eine Velotour zu Fair-Trade-Geschäften, bei der die Teilnehmenden von Volunteers begleitet werden – eine mögliche Weiterentwicklung des bisherigen Basler Fair-Trade-Parcours. Eine andere Stadt hat bereits vor rund zehn Jahren einen Fair-Trade-Markt in einem Quartier etabliert, der bis heute auf grosses Publikumsinteresse stösst. Besonders interessant war auch die Zusammenarbeit einer Stadt mit einer lokalen Supermarktfiliale: Mit Produktstickern und einem Informationsstand wurden Fair-Trade-Angebote direkt dort sichtbar gemacht, wo ein breites Publikum tagtäglich einkauft. Diese Beispiele liefern Inspiration – sowohl für die Weiterentwicklung bestehender Aktivitäten der AG Fair Trade Town Basel als auch für neue Formate, die über bereits sensibilisierte Zielgruppen hinausreichen.

Der Workshop zu Urban Food Policy verdeutlichte zudem die Bedeutung einer ganzheitlichen Betrachtung lokaler Ernährungssysteme. Für Basel ergeben sich daraus Anknüpfungspunkte, u.a. im Rahmen der Strategie nachhaltige Ernährung Basel-Stadt 2030. Die Exkursion rund um Fast vs. Fair Fashion in Brüssel zeigte schliesslich, dass Fair Trade weit über Lebensmittel hinausgeht: Themen wie nachhaltige Textilien, bewusster Konsum und öffentliche Beschaffung bieten weiteres Potenzial für die lokale Arbeit zur Förderung des fairen Handels.

Insgesamt hat mir die Konferenz gezeigt, wie Städte durch lokale Partnerschaften, die Einbindung verschiedener Akteurinnen und Akteure und die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand globale Verantwortung konkret auf lokaler Ebene wahrnehmen können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Handlungsmöglichkeiten der öffentlichen Hand begrenzt sind, da Konsumentscheide und Sortimentsgestaltung weitgehend in der Verantwortung privater Akteure liegen. Umso wichtiger sind Kooperationen mit lokalen Geschäften, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, um indirekt und in enger Zusammenarbeit faire Angebote zu fördern und sichtbarer zu machen.

Franca Fellmann, Mitglied der Arbeitsgruppe Fair Trade Town Basel

Eine Stimme für die Kakaobauern

Felix Tetthe, ein junger Kakaobauer aus Ghana und Fairtrade Ambassador, teilte seine persönliche Geschichte. Dank seiner Mitgliedschaft in einer Fairtrade-zertifizierten Kooperative konnte er seinen Kakao auf dem internationalen Markt verkaufen. Das zusätzliche Einkommen ermöglichte ihm schliesslich, seinen lang gehegten Wunsch zu erfüllen und Soziologie zu studieren. Seine Botschaft: Fairtrade gibt Kakaobäuerinnen und -bauern eine Stimme. Durch Kooperativen gewinnen sie gemeinsam an Stärke und Möglichkeiten. Gerade junge Bäuerinnen und Bauern brauchen diese Perspektiven. Ausserdem müssen Produzent bei Preisverhandlungen mitreden können. Oder wie Felix es treffend formulierte: «Wir sind vielleicht nie über seine Farm gelaufen, aber wir essen seinen Kakao.»

Willst du mehr über Felix Tetthe erfahren? Dann schau dir die Q&As von Fairtrade Max Havelaar an.

Lokales Engagement schafft globale Solidarität

Ein weiterer wichtiger Impuls kam von Professorin Sara Kinsbergen. In ihrer Keynote zeigte sie auf, wie sich die Unterstützung für internationale Zusammenarbeit und Solidarität seit 1989 verändert hat. Anhand von Studien machte sie zudem deutlich, dass in Europa heute deutlich weniger in Bildung und Sensibilisierung investiert wird als noch vor 20 Jahren: Statt rund 2 Euro geben wir heute weniger als 1 Euro pro Kopf dafür aus.

Ihre Botschaft: Wir müssen Engagement wieder stärker ins Zentrum rücken! Mit einem Augenzwinkern stellte sie dazu ihre Kampagnenidee vor: MEGA – Make Engagement Great Again!

Denn Solidarität wird dort gelebt, wo Menschen sich engagieren, Verantwortung übernehmen und gemeinsam etwas bewegen. Genau das geschieht in unseren Fair Trade Towns. Was lokal beginnt, kann globale Wirkung entfalten.

Junge Menschen gestalten die Fair-Trade-Bewegung mit

Besonders beeindruckend war die Präsenz der vielen jungen Menschen an der diesjährigen Konferenz. Aus Belgien, Italien und Deutschland reisten ganze Gruppen von Fair Trade Youth Ambassadors an. Sie gestalteten eigene Workshops, erzählten von ihrem Engagement und machten deutlich, was es braucht, damit junge Menschen sich aktiv für den Fairen Handel einsetzen können: Vertrauen, Unterstützung und vor allem die Freiheit, eigene Ideen zu entwickeln und ihren eigenen Weg zu gehen.

Auch für Schweizer Fair Trade Towns steckt darin ein wichtiger Impuls: Wie können wir jungen Menschen mehr Raum geben, ihre Ideen einzubringen und die Fair Trade-Bewegung aktiv mitzugestalten? Statt sie nur zur Mitarbeit einzuladen, sollten wir ihnen zutrauen, eigene Akzente zu setzen und Verantwortung zu übernehmen.

Lasst uns gemeinsam viele kleine Funken sein, die unser Umfeld anstecken und immer weitere Kreise ziehen. Bis aus unzähligen Funken ein grosses Feuer wird. So hat es Bianca, die nationale Koordinatorin aus Belgien, bereits in ihrer Eröffnungs-Keynote treffend auf den Punkt gebracht. Lasst uns Engagement entfachen, junge Menschen darin bestärken und die Fair Trade-Bewegung gemeinsam weitertragen!

Save the date: Die nächste Konferenz findet in Köln statt!

Vom 10. bis 12. September 2027 kommt die Internationale Fair Trade-Community in Köln zusammen. Es wäre schön, wenn sich beim nächsten Mal noch mehr Schweizer Fair Trade Towns anschliessen – vielleicht sogar gemeinsam mit jungen Fair-Trade-Engagierten?

Catherine Wälti, Projektleiterin Fair Trade Town Deutschschweiz

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