Seit der ersten Auszeichnung von Glarus Nord im Jahr 2016 hat sich viel bewegt: Inzwischen engagieren sich 22 Städte und Gemeinden als Fair Trade Town und zeigen, wie globale Verantwortung lokal gelebt werden kann.
Hinter diesen zehn Jahren stehen unzählige Menschen, die sich vor Ort engagieren, Ideen verwirklichen und den Fairen Handel immer wieder ins Gespräch bringen. Ihnen allen gilt unser grosser Dank. Den engagierten Arbeitsgruppen ebenso wie den Gemeinden, Schulen, Geschäften, Gastronomiebetrieben, Vereinen und Partnerorganisationen, die Fair Trade Town mittragen und mit Leben füllen.
Zum Jubiläum blicken wir auf besondere Projekte, Initiativen und Highlights aus zehn Jahren Fair Trade Town Schweiz zurück.

Glarus Nord: Die erste Fair Trade Town der Schweiz
Den Anfang machte Glarus Nord. Die Gemeinde wurde im Februar 2016 als erste Fair Trade Town der Schweiz ausgezeichnet und ist der Bewegung bis heute treu geblieben. Ihr Engagement konzentriert sich insbesondere auf nachhaltigen Konsum, Bildung und die öffentliche Beschaffung.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Frage, wie die Gemeinde ihre eigenen Einkäufe nachhaltiger gestalten kann. Im Auftrag von Fair Trade Town wurde dazu eine Masterarbeit zum Potenzial für Produkte aus dem Fairen Handel in Schweizer Gemeinden erarbeitet. Glarus Nord nimmt die Erkenntnisse zum Anlass, die eigene Beschaffung weiterzuentwickeln und soziale und ökologische Kriterien systematischer in den Einkauf zu integrieren.
Melissa Stüssi, Projektleiterin der Arbeitsgruppe Fair Trade Town Glarus Nord, erklärt:
«Der Entscheid, Fair Trade Town zu werden, war Ausdruck eines langfristigen Engagements für nachhaltigen Konsum und soziale Verantwortung und des Bestrebens, globale Verantwortung zu verankern. Wir vergessen im Alltag oft, wie privilegiert wir hier leben – Fair Trade ist eine Möglichkeit, etwas zurückzugeben.»
Highlight:
Die Welt zu Besuch im Glarnerland
Ein besonderer Meilenstein in der Geschichte von Fair Trade Town Schweiz war die 16. Internationale Fair Trade Towns Konferenz, die 2023 in Glarus Nord stattfand. Mehr als 150 Teilnehmende aus über 25 Ländern kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, neue Ansätze kennenzulernen und über die Zukunft der internationalen Fair-Trade-Town-Bewegung zu diskutieren.
Die Konferenz machte deutlich: Fair Trade Town ist längst Teil einer internationalen Bewegung. Themen wie faire öffentliche Beschaffung, Wirkung des Fairen Handels, lokale Partnerschaften und die Rolle junger Menschen verbinden Fair Trade Towns weltweit.
Mehr zur internationalen Konferenz in Glarus Nord:
Internationale Fair Trade Towns Konferenz in der Schweiz

Eine weitere Jubilarin: Fair Trade Town Zweisimmen
Auch im Berner Oberland gibt es Grund zum Feiern: Zweisimmen wurde im April 2016 als zweite Fair Trade Town der Schweiz ausgezeichnet und blickt ebenfalls auf zehn Jahre Engagement für den Fairen Handel zurück.
Die vergangenen zehn Jahre wurden stark durch das freiwillige Engagement von Ursula Spycher geprägt. Sie war lange Zeit Ladenleiterin im claro Laden und hat mit Aktionen gemeinsam mit lokalen Partner den Fairen Handel immer wieder zum Thema gemacht und den Kontakt zur Bevölkerung gesucht.
Im Gespräch erzählt Ursula Spycher, ehemalige Koordinatorin der Arbeitsgruppe, was Fair Trade Town für sie bedeutet und welche Veränderungen sie über die Jahre beobachtet hat:
«Fair Trade Town bedeutet für mich, dass man der Bevölkerung ab und zu mit Aktionen darauf hinweisen kann, was der faire Handel eigentlich bewirkt. Wir waren fast jedes Jahr am Maimarkt, mit einem Stand und machten dort Aktionen, über die Klimakrise oder Kaffee, wir sprachen über das Thema Textilien. So gab es immer wieder Kontakte zu Leuten, die vielleicht nicht so viel mit dem fairen Handel am Hut hatten wie vorher.»
In den zehn Jahren Fair Trade Town, wurde Ursula Spycher bewusst, dass ein Teil der Leute wirklich anders auf faire Produkte reagiert. Ihre langjährige Tätigkeit im Claro Laden und die Gespräche mit der sehr treuen Kundschaft haben gezeigt, dass die Aktionen von Fair Trade Town das Bewusstsein für den fairen Handel stärken.
Das vollständige Interview mit Ursula Spycher gibt es auf Instagram: https://www.instagram.com/p/DcL8Jtwtwfw/
Die neu zusammengesetzte Arbeitsgruppe möchte nun neue Schwerpunkte setzen und insbesondere Bildung und Schulen stärker ins Zentrum rücken. Ziel ist es, junge Menschen für nachhaltigen Konsum und den Fairen Handel zu begeistern.
Highlight:
Gemeinsam aktiv: Die Aktionswoche in der Fair Trade Town Gossau
Im Mai 2026 fand in Gossau bereits die sechste Aktionswoche statt. 23 der 45 Partner machten mit und zeigten mit rund 30 Aktivitäten auf, wie Fairer Handel und Nachhaltigkeit im Alltag sichtbar werden können – von kulinarischen Aktionen bis zu Projekten in Schulen und im öffentlichen Raum.
Die Aktionswoche steht exemplarisch für den Ansatz von Fair Trade Town Gossau: Seit 2023 verbindet die Initiative ökologische, soziale und ökonomische Aspekte einer ganzheitlichen Nachhaltigkeit. Die lokalen Partner setzen neben dem Einsatz von Fair-Trade-Produkten jedes Jahr mindestens ein eigenes Nachhaltigkeitsziel um.

Genf: Fair Trade Town in einer internationalen Stadt
Mit Genf zeigt sich, dass Fair Trade Town auch in einer Stadt mit internationaler Ausstrahlung Wirkung entfalten kann. Seit der Auszeichnung im November 2022 hat sich das Engagement zunehmend von einzelnen Aktionen hin zu einer breiteren Verankerung des Fairen Handels in bestehenden Strukturen, Netzwerken und Veranstaltungen der Stadt entwickelt.
Dabei verfolgt Genf heute einen Ansatz auf drei Ebenen: institutionelle Verankerung, Zusammenarbeit mit Wirtschaftsakteuren und Sensibilisierung der Bevölkerung.
Auf institutioneller Ebene geht es darum, soziale und ökologische Kriterien stärker in der öffentlichen Beschaffung und in Bereichen wie Gemeinschaftsgastronomie, Schulen oder Betreuungseinrichtungen zu berücksichtigen. Gleichzeitig werden Unternehmen und Fachpersonen einbezogen, um konkrete Herausforderungen in den Lieferketten gemeinsam anzugehen. So brachte Swiss Fair Trade 2024 gemeinsam mit dem Service Agenda 21 der Stadt Genf rund 40 Akteur der Kakao- und Schokoladenbranche zusammen, um über eine nachhaltigere und fairere Wertschöpfungskette zu diskutieren.
Auch bei der Sensibilisierung der Bevölkerung setzt Genf zunehmend darauf, den Fairen Handel dort sichtbar zu machen, wo bereits ein breites Publikum erreicht wird. Statt ausschliesslich eigene Fair-Trade-Veranstaltungen zu schaffen, wird das Thema in bestehende Formate der Stadt integriert – beispielsweise beim Festi’Terroir, während der Semaine du climat oder im Rahmen von Initiativen rund um nachhaltige Gastronomie.
Highlight:
Fairer Handel als Teil bestehender Strukturen
Die Fair Week, die bis 2023 mit Märkten, Podiumsdiskussionen, Workshops und Veranstaltungen rund um verantwortungsvollen Konsum stattfand, war eine wichtige Etappe beim Aufbau von Fair Trade Town Genève. Seither hat sich der Ansatz weiterentwickelt: Fairer Handel wird zunehmend in bestehende städtische Programme und Veranstaltungen integriert und mit Themen wie nachhaltiger Ernährung, Klima und sozialer Gerechtigkeit verknüpft.
Damit wird Fair Trade nicht als isoliertes Thema behandelt, sondern dort eingebracht, wo Entscheidungen getroffen, Wirtschaftsakteure erreicht und unterschiedliche Bevölkerungsgruppen angesprochen werden.
Vom Kakao bis zum Modekonsum – zehn Jahre Fairer Handel im Fokus
Von Kakao und Kaffee bis zu Klima, Handelsgerechtigkeit und fairer Mode– Fair Trade Town hat den Fairen Handel sehr vielfältig themasiert über die verganenen 10 Jahre. Auch die Frage nach der Wirkung des Fairen Handels wurde vertieft thematisiert – ebenso wie unser Konsum vor Ort: Denn lokaler Konsum kann globale Wirkung haben. Mit Kampagnen wie «Was du trägst, macht einen Unterschied» wurde zudem die Modeindustrie in den Fokus gerückt. 2026 schliesslich lud das Motto «Faires Frühstück» dazu ein, beim ersten Kaffee und Frühstück über globale Zusammenhänge, Menschenrechte und Umweltschutz nachzudenken.
Highlight:
Fair, kreativ, lokal: Nachhaltigkeitsmarkt der Fair Trade Town Amriswil
Ein etabliertes Engagement für den Fairen Handel im Thurgau ist der Nachhaltigkeits- und Kreativmarkt der Fair Trade Town Amriswil. Seit bereits sieben Jahren verbindet der Markt Fairen Handel mit nachhaltigem Konsum und kreativen lokalen Produkten und bringt damit verschiedene Facetten von Nachhaltigkeit zusammen.
Der Markt zeigt beispielhaft, wie Fair Trade Town lebendig wird. Lokale Akteure, Unternehmen und engagierte Menschen kommen zusammen und machen nachhaltige und faire Alternativen für die Bevölkerung erlebbar.

Bellinzona: Fairer Handel mit Genuss und Begegnung
Seit der Auszeichnung als Fair Trade Town im Jahr 2019 zeigt Bellinzona, wie sich der Faire Handel kontinuierlich im städtischen Leben verankern lässt. Eine aktive und breit abgestützte Arbeitsgruppe organisiert regelmässig Veranstaltungen und spricht dabei gezielt unterschiedliche Bevölkerungsgruppen an.
Mit Degustationen, Begegnungen, Diskussionen und Filmvorführungen werden unter anderem Schulen, Alters- und Pflegeheime, Schokoladenliebhaber:innen sowie lokale Produzent:innen erreicht und für Nachhaltigkeit, faire Produktionsbedingungen und verantwortungsvollen Konsum sensibilisiert. Dabei setzt die Arbeitsgruppe auf Vernetzung und Zusammenarbeit mit bestehenden Partnern sowie mit der Kulturszene.
Eine besondere Verbindung besteht zur Schokolade: Ein Teil der Schokolade wird von Chocolat Stella auf dem Gemeindegebiet produziert – und in der heutigen Gemeinde Bellinzona wurde einst die weltweit erste Fair-Trade-Schokolade von einem Partner der Fair Trade Town-Arbeitsgruppe hergestellt.
Highlight:
Nachhaltige Ernährung gemeinsam diskutiert
2024 brachte Fair Trade Town Bellinzona lokale Produzent:innen, Konsument:innen, Organisationen und Vertreter:innen der öffentlichen Hand zusammen. Unter dem Titel «Cultivando un futuro sostenibile» diskutierten sie, wie sich Fairer Handel, lokale Produktion und nachhaltige Ernährung verbinden lassen – mit Inputs aus Landwirtschaft, Fair Trade, Konsumentenschutz und öffentlicher Beschaffung.

Wie geht es weiter? Was sind Wünsche aus den Fair Trade Towns?
10 Jahre Fair Trade Town Schweiz sind nicht nur ein Grund zum Zurückblicken. Das Jubiläum ist auch eine Gelegenheit, über die Zukunft nachzudenken.
Beim diesjährigen Fair Trade Town Austausch wurden verschiedene Fragen zu Fair Trade Town diskutiert. Wie soll eine Fair Trade Town in Zukunft aussehen? Welche Rolle spielen Gemeinden, lokale Geschäfte, Gastronomie, Schulen, Vereine, Unternehmen und die Bevölkerung? Und wo braucht es neue Impulse?
Aus den Antworten der verschiedenen Teilnehmer:innen aus verschiedenen Gemeinden sind spannende Wünsche und Ideen zusammengekommen. Unter anderem wünschen sich die Engagierten in den verschiedenen FTTs mehr Vernetzung und Sichtbarkeit, mehr Fair Trade Schools, erweiterte Wirkung und das ambitionierte Ziel von 50 Fair Trade Towns bis 2025.
Wir finden diese Ideen super! Was wünschst du dir für Fair Trade Town?

Zuguterletzt: Danke an alle Fair Trade Towns in der Schweiz und Liechtenstein!
Seit den ersten Fair Trade Town Auszeichnungen haben zahlreiche Menschen in Gemeinden und Städten dazu beigetragen, Fair Trade sichtbar und erlebbar zu machen. Von kleinen lokalen Aktionen bis zur internationalen Konferenz: Jeder dieser Momente ist Teil einer grösseren Geschichte. Eine Geschichte von Menschen, die zeigen, dass fairer Handel nicht irgendwo weit weg beginnt. Sondern hier. In unseren Gemeinden. In unseren Städten. Und bei uns allen.