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Grüne wollen Nachhaltigkeit in Lyss ankurbeln

Martedì, 24 ottobre, 2017
FTT Team
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Bieler Tagblatt

Die Grünen Lyss haben im Parlament eine Motion eingereicht. Sie möchten aus Lyss eine «Fair Trade Town» machen. Mit diesem Vorhaben sind nicht alle Betroffenen einverstanden.

«Der Gemeinderat wird aufgefordert, die Gemeinde Lyss bei der internationalen Kampagne Fair Trade Town anzumelden». Mit diesen Worten beginnt die Motion der Grünen, die im Juli an den Präsidenten des Grossen Gemeinderats eingereicht wurde. Lorenz Eugster von den Grünen Lyss sagt, warum ihm die internationale Kampagne wichtig ist: «Wir möchten verhindern, dass Fair Trade in Vergessenheit gerät. Heute orientieren sich die meisten an den Produktpreisen und handeln eindimensional.»

Fünf Kriterien erfüllen

Eugster möchte das Denken der Leute ändern und den Konsumentenbewusst machen, dass bei Produkten auch der fairen Handel ein Kriterium sein sollte. Mit dem Kauf einer Max-Havelaar- Banane sei das Ziel zwar noch nicht erreicht. Aber zumindest sei es ein Schritt in die richtige Richtung, sagt Eugster. Um das Zertifikat Fair Trade Town zu erhalten, müssen fünf Kriterien erfüllt sein. Die Stadt oder Gemeinde bekennt sich zum fairen Handel, indem die zuständige politische Instanz beschliesst, die Auszeichnung anzustreben. In der Gemeindeverwaltung sollen Fair-Trade-Kaffeebohnen und mindestens zwei weitere Produkte derselben Marke eingeführt und eine offizielle Veranstaltung organisiert werden. Eine Arbeitsgruppe wird eingesetzt, um die Ziele zu koordinieren und zu überprüfen. Zusätzlich findet einmal im Jahr eine Fair-Trade-Town-Aktivität statt.

Schulen müssen mitspielen

Mit dem Vorhaben muss nicht nur die Gemeindeverwaltung einverstanden sein, sondern auch der Detailhandel. Denn lokale Detailhändler sollen mindestens fünf Fair-Trade-Produkte im Sortiment führen und dies ihrer Kundschaft kommunizieren. Auch Gastronomie- und Hotelleriebetriebe führen mindestens drei Fair-Trade-Produkte. In Institutionen wie Schulen, Kitas und Alterszentren, Vereinen und Kirchgemeinden werden regelmässig Produkte verwendet, die einem fairen Handel entspringen. Durch frequente Berichterstattung in lokalen Publikationen und auf der Website der Gemeinde soll der faire Handel der Bevölkerung nähergebracht werden. Sobald eines der fünf Kriterien erfüllt ist, gilt die Gemeinde oder Stadt als offizielle Bewerberin.

Ansatz mitten im roten Faden

In der Region Biel sind bereits Orpund, Grenchen, Büren, Biel und Täuffelen aktiv bemüht, dieses Zertifikat zu erhalten. Gesamtschweizerisch gibt es bislang vier solcher Fair Trade Towns, neun haben den politischen Beschluss gefällt und 20 weitere sind interessiert. Eines der fünf Kriterien zu erfüllen ist Sache der Gastronomie und Hotellerie. Vanessa Rostetter vom Bolero Frontcafe in Lyss findet die Idee gut, sagt aber auch: «Unsicher bleibt, ob die Gäste bereit sind, einen höheren Preis zu bezahlen.» Sie glaube, dass das Fair-Trade-Denken Elternsache sei und in der Kinderstube mitgegeben werden sollte. Mit Lyss als «Fair Trade Town» würden die Grünen damit mitten im roten Faden ansetzen. Auch Öcal Ulas vom Restaurant Höck ist nicht überzeugt. «Ich bin nicht sicher, ob sich die Gäste daran gewöhnen könnten. Ausserdem hat jedes Gastronomieunternehmen ein anderes Publikum.» Seine Befürchtung sei, dass seine Gäste negativ darauf reagieren könnten aufgrund des Preises, der eventuell nach oben korrigiert werden müsse. Trotzdem halte er den Ansatz der Grünen für richtig. Lorenz Eugster hält das Engagement für notwendig. Denn: «Die Gemeinde könnte mit der Fair-Trade-Town-Kampagne die Attraktivität von Lyss verbessern.»

Antwort steht noch aus

Die Motion sieht vor, die Gemeinde, Firmen sowie Private dazu zu bewegen, sich zum fairen Handel zu bekennen und damit zur Förderung eines bewussten, nachhaltigen Konsums beizutragen. Somit wird der Nutzen «als sehr hoch und wertvoll eingestuft». Die Antwort der Gemeinde steht noch aus. Eugster ist überzeugt, dass im Falle einer ablehnenden Haltung zur Motion die Stadt Lyss sich im Rahmen anderer Tätigkeiten die gleichen oder ähnliche Ziele setzen muss. Wird sie angenommen, ist Lyss eine offizielle Fair-Trade-Town-Bewerberin und muss sich überlegen, in welchem Tempo und mit welchem Engagement die Kampagne umgesetzt wird.

Lorena Castelberg