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Uster soll Leuchtturm für fairen Handel werden

Samedi, 10 décembre 2016
FTT Team
Samedi, 10 décembre 2016
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Zürcher Oberländer

USTER Ehrungen mit Blumen aus fairem Handel, Fair-Trade Kaffee aus dem Automaten im Stadthaus: 
Geht es nach dem Grünen Patricio Frei soll in Uster stärker auf Produkte aus gerechtem Handel gesetzt werden. Die Stadt soll die Auszeichnung als «Fair Trade Town» anstreben.

Die Ustermer Grünen wittern Morgenluft: Nachdem der Stadtrat in seiner Antwort auf ein Postulat der grünen Gemeinderätin Meret Schneider zum Thema Palmöl Handlungsbereitschaft signalisierte, folgt nun der nächste Vorstoss mit dezidiert links-grüner Note: Es geht um die Auszeichnung als «Fair Trade Town», die die Stadt Uster gemäss dem grünen Gemeinderat Patricio Frei anstreben soll. Diese wird seit 2014 vom Dachverband Swiss Fair Trade an Städte und Gemeinden vergeben, die bestimmte Kriterien erfüllen. So
muss zum Beispiel je nach Bevölkerungsgrösse eine bestimmte Anzahl privater Geschäfte, Gastronomiebetriebe sowie öffentlicher Institutionen Produkte verwenden, die aus fairem Handel stammen.

«Steuergelder sollen wenn immer möglich für Produkte aus fairem Handel verwendet werden.» Patricio Frei, Gemeinderat (Grüne)

Frei nennt als Beispiele den Fair-Trade-Kaffee und -Tee in der Stadtverwaltung oder Fair-Trade-Blumen, die bei Ehrungen zum Einsatz kommen sollten. Ein weiteres Kriterium: Der Bevölkerung muss durch Öffentlichkeitsarbeit der faire Handel nähergebracht werden. «Ich möchte der Stadtverwaltung keinen unnötigen Zusatzaufwand schaffen, sondern das Bewusstsein schärfen. Steuergelder sollen wenn immer möglich für Produkte aus fairem Handel verwendet werden», fasst Frei den Kerngedanken seines Vorstosses zusammen. Der Nutzen seines Vorhabens sei auch deshalb gross, weil zur Erreichung des Ziels die lokale Verwaltung, das Gewerbe und die Bevölkerung zusammenarbeiten müssten. «Insbesondere Letztere wird bei Labels wie <Energiestadt> nicht so stark miteinbezogen», sagt Frei.

Uster im letzten Drittel

Uster soll gemäss Frei eine Vorbildrolle einnehmen, wenn es um die Förderung von fairem Handel geht. Umso mehr, weil die drittgrösste Stadt des Kantons bei der nachhaltigen Beschaffung «Nachholbedarf» habe. Frei stellt auf das Gemeinderating von Solidar Suisse ab, bei welchem auch ein nachhaltiges Beschaffungswesen ein Kriterium ist - und bei welchem Uster im letzten Drittel der bewerteten Zürcher Gemeinden rangiert. Als Vorbilder nennt Frei die Stadt Bülach, die in Sachen fairer Handel hohe Mindestanforderungen stelle, sowie die Gemeinde Glarus Nord. Diese ist die erste «Fair Trade Town» der Schweiz. Gegenüber der Zeitschrift
«Beobachter» nannte Gemeindepräsident Martin Laupper (FDP) den «Werbeeffekt für die Gemeinde» und die «ethische Notwendigkeit» als Gründe für das Anstreben der Auszeichnung. Seit Kurzem darf sich auch die Gemeinde Frutigen BE mit dem Prädikat «Fair Trade Town» schmücken. Und im Februar wird dieses auch der Hauptstadt Bern verliehen.

"Keine Kostenexplosion"

Um «Fair Trade Town» zu werden, müsste Uster eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen, die das Engagement koordiniert. «Idealerweise wird diese von jemandem aus der Verwaltung geleitet», sagt Frei. In Glarus Nord ist  es der Wirtschaftsförderer, der der Arbeitsgruppe vorsteht. Mit hohen Kosten sei die Umsetzung seiner Motion nicht verbunden, sagt Frei. Zumindest nicht zwingend: «Klar, wenn das Spital neue Bettüberzüge aus fairem Handel will, wird es teurer. Aber Lebensmittel wie Orangensaft oder Kaffee sollten mit Fair-Trade-Produkten ersetzt werden können, ohne dass es zu einer Kostenexplosion kommt.» Die Umsetzung möchte Frei dem Stadtrat überlassen. Dieser will sich zur Angelegenheit zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äussern. Die Motion sei von der Exekutive noch nicht im Gremium besprochen worden, eine Zuteilung zu einer bestimmten Abteilung noch nicht erfolgt, lässt der Stadtrat verlauten. 

 

Benjamin Rothschild