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Bern handelt fair - ämu scho es paari

Dienstag, 21. März 2017
FTT Team
Dienstag, 21. März 2017
FTT Team

Brunne Zytig

Eine rundum gerechte Welt – ein schöner Gedanke! Ihm ist die Stadt Bern am 13. Februar einen kleinen Schritt näher gekommen. Dass die Berner keineswegs die langsamsten Schweizer sind, haben sie damit einmal mehr unter Beweis gestellt. Im Februar 2016 beschloss die Stadt – als eine der ersten drei Gemeinden der Schweiz nota bene – die Auszeichnung «fairtrade town» anzustreben (vgl. BrunneZytig 4/2016). Und es verging nur knapp über ein Jahr, bis das Teilnahme-Kontingent von rund 100 Institutionen erfüllt war. Wer aus dem Gebiet der Altstadt mit dabei ist, kann man auf der Homepage www.fairtradetown.ch/ de/bern nachlesen. Von Anfang an und zu hundert Prozent dazugehörig und treibende Kraft der Bewegung war Franziska Lack vom Designmodegeschäft «ideale» an der Kramgasse 9 (vgl. BrunneZytig 2/2015). 

Der Verein Swiss Fair Trade wurde 2007 als Nachfolgeorganisation des Schweizer Forums Fairer Handel gegründet und hat seinen Sitz in Basel. Er ist der Dachverband aller Produzenten, die ihre Labels fair herstellen und produzieren, aller spezialisierten Handelsorganisationen, Fachgeschäfte und Online-Shops, die in der Schweiz eine Auswahl an Fair Trade-Produkten anbieten, aller Bankinstitute, die im Sinne von Fair Trade investieren und aller NGOs, die sich politisch für Fair Trade einsetzen. Doch ohne die andere Seite des fairen Handels – die Konsumentinnen und Konsumenten – würden alle Anstrengungen dieser Produzenten und Händler ins Leere laufen. Noch geben Herr und Frau Durchschnittsschweizer für nachhaltig gerechte Produkte erst 70 Franken im Jahr aus! 

Die Grundsätze und Standards von Swiss Fair Trade wurden erstmals 2001 festgelegt und zuletzt 2015 revidiert und in einem 22-seitigen Bericht auf ihrer Homepage (www.swissfairtrade.ch) veröffentlicht. Institutionen, die über eine Teilnahme nachdenken, können sich hier genauestens informieren. Swiss Fair Trade hat sich zum Ziel gesetzt, bis ins Jahr 2018 fünfzig Schweizer Städte/Gemeinden für fairen Handel auszeichnen zu dürfen. 

Von den bisher weltweit teilnehmenden fast 1900 Städten/Gemeinden in 31 Ländern hat Bern es der Schweiz nun vorgemacht. Die Auszeichnung und die Feier in der Berner Fachhochschule (Fachbereich Wirtschaft) an der Brückenstrasse haben in der Lokalpresse entsprechend grosse und teilweise auch kritische Aufmerksamkeit gefunden. Gemeinderat Reto Nause durfte zusammen mit seiner Amtskollegin Franziska Teuscher die Auszeichnung von Tobias Meier, dem Präsidenten von Swiss Fair Trade, in Empfang nehmen. Er setzte ein klares Statement: Soziale Gerechtigkeit auf allen Gebieten sei schlicht ein Gebot der Zeit. Dazu hatte einer seiner Vorredner bereits lachend erwähnt, Bern sei ja quasi von Natur aus schon eine Fairtrade-Stadt. Das sehe man daran, dass die Markt-, Kram- und Gerechtigkeitsgasse in einer direkten Linie miteinander verbunden seien...