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Frutigen zeigt Solidarität mit Bauern aus aller Welt

Dienstag, 22. November 2016
FTT Team
Dienstag, 22. November 2016
FTT Team

Frutigländer

FRUTIGEN Frutigen engagiert sich für den Fairen Handel und bewirbt sich um die global anerkannte Auszeichnung «Fair Trade Town». Nebst dem Vertrieb von Produkten aus dem Weltsüden wird in einer zweiten Phase auch eine Erweiterung mit lokalen Angeboten ins Auge gefasst.

BARBARA STEINER-SUTER

Vor rund sechs Monaten, an der Hauptversammlung im April dieses Jahres, beschloss der Verein Claro Weltladen, den Kick-off zur Fair Trade Town Frutigen zu starten (der «Frutigländer» berichtete). Seither hat sich in Frutigen einiges getan: Zur Koordination der Aufgaben wurde eine Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von Alice Morosoli, Präsidentin des Vereins Claro Weltladen, gegründet, in deren Namen Morosoli und Gemeinderätin Annelies Grossen einen Antrag um Unterstützung stellten. Anfang November bekannte sich der Gemeinderat offiziell zum Fairen Handel und so ist Frutigen schweizweit die siebte Gemeinde, die sich nach einem positiven politischen Entscheid um die Auszeichnung «Fair Trade Town» bewirbt.

Gemeinde mit Vorbildfunktion
«Wer den Fairen Handel unterstützt, leistet einen nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Tausenden  Menschen und hilft mit, die weltweite Armut zu bekämpfen. Das alleine ist Grund genug, bei Fair Trade Town mitzumachen», ist auf der Website der Kampagne zu lesen. «Zuerst musste ich erklären, was das überhaupt ist und dass der politische Entscheid der kommunalen Behörde  Voraussetzung für die Bewerbung ist», erzählt Grossen, «doch dann stiess ich überall auf Interesse und Wohlwollen.»
Schliesslich standen die vorberatende Land- und Volkswirtschaftskommission und der Gemeinderat dem langfristigen Projekt positiv gegenüber: Die Gemeinde hat sich zu einem jährlicher Beitrag von 1400 Franken an die Fair-Trade-Kampagne verpflichtet. Im Weiteren wird die Gemeindeverwaltung Fair-Trade-Produkte ins Znünikiosk-Angebot aufnehmen. Morosoli sieht dies als einen vertretbaren Aufwand im Vergleich zum Mehrwert: «Frutigen ist eine Gemeinde, in der sozialer Zusammenhalt eine wichtige Rolle spielt. Diesen auch im weniger privilegierten Weltsüden zu fördern, ist unser zentrales Anliegen. Es ist mehr als angebracht, auch den Bauern dort Respekt für ihre Arbeit entgegen zu bringen.»

Lokale und globale Auswirkungen
Die Pressemitteilungen der Gemeinde und von Fair Trade Town lösten schweizweit ein beträchtliches Echo in Print- und Onlinemedien aus. Die  Politik hat den ersten Schritt getan, nun sind Verkäufer und Kunden gefragt. Vorerst gelten für die Kampagne nur Produkte, welche den Grundsätzen und Standards von Swiss Fair Trade genügen, so zum Beispiel Max Havelaar, Claro, Helvetas Fairtrade und Gebana, denn Fairer Handel bezieht sich in erster Linie auf im sogenannten Weltsüden angebauten Produkte.
Was mit Bananen und Kaffee begann, wuchs mit der Zeit zu einer grossen  Palette an: Früchte, Gemüse, Säfte, Nüsse, Tee, Schokolade, Zucker, Honig, Getreide, Snacks, ja sogar Textilien, Sportbälle, Kunsthandwerk und Blumen sind als faire Alternative zu haben. Die meisten stehen nicht oder kaum in Konkurrenz mit regionalen Produzenten und Gewerben.
In einem zweiten Schritt, nach dem Erhalt der Auszeichnung, kann das Angebot mit lokalen und regionalen Produkten aus sozialer und ökologisch nachhaltiger Produktion erweitert werden. Nachhaltigkeit, Schutz der Umwelt und Erhalt der kulturellen Vielfalt sind Themen, die auch im Frutigland von grosser Wichtigkeit sind.

Ist Frutigen schon im Mai 2017 «Fair Trade Town»?
Damit Frutigen schon bald das Label «Fair Trade Town» tragen darf, sind alle zum Mitmachen aufgefordert: Detailhandel und Gastronomiebetriebe nehmen einige Fair-Trade-Produkte in ihr Sortiment, Institutionen und Unternehmen verwenden fair Gehandeltes. Der Gesundquelle Naturladen Frutigen und der Claro Weltladen erfüllen mit ihrem Standard-Sortiment die Kriterien an den Detailhandel und sind auf der Website von Fair Trade Town schon erfasst. Gesucht werden von der Arbeitsgruppe jedoch noch weitere Geschäfte, Restaurants, Hotelbetriebe, Schulen, Kindergärten, Altersheime, Kirchgemeinden und Vereine, die sich bereit erklären, mindestens drei Fair-Trade-Artikel zu verkaufen oder zu verwenden.
Als Gegenleistung wird das Engagement der Gemeinde und der mitwirkenden Geschäfte und Institutionen auf der Website von Fair Trade Town publiziert und laufend aktualisiert. Mit Aufklebern können die Betriebe ihren Kunden ihr Engagement direkt vor Augen führen. Die Arbeitsgruppe überlegt sich die Aufschaltung einer Facebook-Seite, um Aktuelles schnell und kundennah publizieren zu können.
Die Initiantinnen haben sich einen  ambitionierten Terminplan gesetzt: In knapp sechs Monaten alle fünf Aufnahmekriterien zu erfüllen, damit die Auszeichnung «Fair Trade Town» am 13. Mai 2017, dem Weltladentag, in Empfang genommen werden kann.

Interessierte können sich per E-Mail bei Alice Morosoli melden: aa.morosoli@bluewin.ch. Weitere Informationen finden Sie in unserer Web-Link-Übersicht unter www.frutiglaender.ch.