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Fair Trade ist mehr als nur Kaffee und Zucker

Freitag, 19. Februar 2016
FTT Team
Freitag, 19. Februar 2016
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südostschweiz

Wer glaubt, nur mit Grossem Grosses zu erreichen, der irrt. Dass viele kleine Schritte auch von Erfolg gekrönt sein können, hat unlängst die Gemeinde Glarus Nord mit ihrem Projekt bewiesen, die erste «Fair Trade Town» der Schweiz werden zu wollen. Nur gerade vier Monate ist es her, dass der Gemeinderat den Beschluss dazu gefasst hatte. Seit dem 12.Februar ist es offiziell: Das Ziel ist erreicht, und das Minimum der Kriterien für eine Auszeichnung ist sogar übertroffen.

Es sei allerdings eine Herausforderung gewesen, innerhalb dieser kurzen Zeit alle notwendigen Kriterien zu erfüllen, sagt Andreas Neumann, Mediensprecher der Gemeinde Glarus Nord und Koordinator des Projektes. Nun verpflichten sich bereits 20 Institutionen und Gastrobetriebe, in ihrem Sortiment mindestens drei Fair-Trade-Produkte anzubieten. Doch dies ist erst ein Anfang.

«Es war eine Herausforderung, in so kurzer Zeit alle Kriterien zu erfüllen.»
Andreas Neumann, Medienbeauftragter Glarus Nord

Sich für eine gute Sache zu engagieren, das hat offensichtlich nicht nur die Verwaltung, sondern auch viele Betriebe überzeugt. So macht auch die kleine Softwarefirma GL-IT in Obstalden mit. Sie hat die Produkte der Kaffee-Ecke für ihre fünf Mitarbeiter mit einem kleinen Aufwand umgestellt. Dort gibt es nun Fair-Trade-Kaffee, -Rohrzucker, -Orangensaft und -Schoggi.

«Regentropfen auf heissen Stein»
«Wir haben natürlich nur beschränkte Möglichkeiten, und im Prinzip ist es eine symbolische Teilnahme», sagt Geschäftsführer Reto Cossalter. «Aber auch mit unserem kleinen Beitrag können wir ein Zeichen setzen.»

Ähnlich argumentiert Robert Berwert von der gleichnamigen Metzgerei in Oberurnen. Sein Beitrag sei sehr bescheiden, da er schon über 80 Prozent seiner Produkte von regionalen Bauern beziehe. Aber wo er Hand bieten könne, mache er das selbstverständlich. «Es ist ein Regentropfen auf den heissen Stein. Aber wenn niemand etwas macht, passiert auch nichts», so seine Überzeugung. In seinem Partyservice-Angebot setzt er nun auf Kaffee, Reis und Bananen aus Fair Trade.
Andere Betriebe könnten da natürlich viel mehr machen, vor allem mengenmässig, ergänzt Berwert.

«Auch mit unserem kleinen Beitrag können wir ein Zeichen setzen.»
Reto Cossalter, Geschäftsführer GL-IT

Gemeint sind grössere gastronomische Betriebe wie etwa das Seminarhotel «Lihn» in Filzbach. Hier sei der Aufwand für die Auszeichnung nicht so gross gewesen, betont Geschäftsführer Urs Brotschi: «Bei uns sind Bio und Nachhaltigkeit schon lange verankert und gehören zum Betriebskonzept.»
Das zeige sich auch darin, dass Menschen mit Beeinträchtigungen angestellt seien und unter anderem das verwendete Biogemüse produzierten. Reis und Limonadengetränke sind nun aus Fair Trade. Wenn demnächst neue Mitarbeiteruniformen bestellt werden, werde er dafür schauen, dass die verwendete Baumwolle aus fairem Handel komme.

Auszeichnung ist erst Startschuss
Eine Arbeitsgruppe, zu der auch Brotschi gehört, wird sich nun damit auseinandersetzen, den fairen Handel weiter in der Gemeinde und in den Unternehmen zu etablieren. Diese Arbeitsgruppe ist ein weiteres Kriterium, das von der Dachorganisation Swiss Fair Trade verlangt wird.

Es gelte nun, nach der Auszeichnung das Bewusstsein in der Bevölkerung und dadurch auch das Konsumverhalten positiv zu verändern, so Andreas Neumann: «Die Auszeichnung war nur der Startschuss. Wir setzen damit ein Zeichen nach innen und aussen.»

Die Auszeichnung «Fair Trade Town» verpflichtet nun alle Beteiligten, aktiv zu bleiben. Denn durch Swiss Fair Trade wird auch später kontrolliert, ob noch alle Voraussetzungen erfüllt seien.

www.fairtradetown.ch

www.facebook.com/FairTradeTown