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Bald eine faire Stadt?

Mittwoch, 14. März 2018
FTT-Admin
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St. Galler Nachrichten

Eine Fair Trade Town ist eine Auszeichnung für Städte und Gemeinden, in denen sich Politik, Geschäfte, Unternehmen sowie Konsumentinnen und Konsumenten für Fair Trade Produkte entscheiden und damit viel verändern. So steht es in einer Broschüre von Swiss Fair Trade beschrieben. Brigitta Vuilleumier möchte Gossau als eine solche auszeichnen lassen.


Fairer Handel «Dene wos guet geit giengs besser, giengs dene besser wos weniger guet geit», besagt ein Liedtext von Mani Matter, das Brigitta Vuilleumier, Vorstandsmitglied des Vereins Claro Gossau, zu Beginn des Treffens im Claro Weltladen Gossau auf den Tisch legt. Für sie sagen diese Zeilen alles. Sie finde es wichtig, dass man sich in einer Stadt wie Gossau zur Humanität bekennt: «Es ist unglaublich, was die Stadt den Bürgern alles bietet. Wir haben viele Infrastrukturen wie Fitnesscenter oder Parkplätze und trotzdem denke ich, dass etwas fehlt. Uns kann es auf die Länge nicht gut gehen, wenn in der Welt eine schreiende Ungerechtigkeit herrscht.» Deswegen möchte sie Gossau zu einer «Fair Trade Town» werden lassen. Erste Gespräche mit der Stadt Gossau haben stattgefunden, der Stadtrat wird die Idee beraten. Obwohl der erste Kontakt positiv verlaufen sei, brauche es wohl noch Überzeugungsarbeit, aber Vuilleumier ist sich sicher, dass es klappen wird.


Der Weg zur «Fair Trade Town» Um als «Fair Trade Town» ausgezeichnet zu werden, hat eine sich zum Fair Trade bekennende Stadt mehrere Bedingungen zu erfüllen. Je nach Grösse der Stadt müssen neben der Stadtverwaltung eine gewisse Anzahl an Detailhändlern, Gastronomiebetrieben, Institutionen und Unternehmen Fair Trade Produkte verwenden oder anbieten. Im Fall von Gossau wären zur Erfüllung der Bedingungen etwa 17 Organisationen aller Art gefragt. Zusätzlich muss eine Arbeitsgruppe das Engagement koordinieren und durch die Stadt, zusammen mit dem ansässigen Claro Weltladen Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden. Aktuell gibt es in der ganzen Schweiz fünf Städte, die als «Fair Trade Town» ausgezeichnet sind, die grösste davon ist Bern.


Was fair sein bedeutet Vuilleumier ist überzeugt, dass die Zukunft «fair sein muss und sein wird». So ist sie sich auch sicher, dass die mitmachenden Geschäfte keine wirtschaftlichen Nachteile durch den Verkauf von Fair Trade Produkten hätten: «Die Geschäfte würden das Label tragen, welches beweist, dass sie zur Fair Trade Town dazugehören.» Ausserdem brauche es nicht viel, um mitzumachen: Ein Restaurant müsse nur drei Fair Trade Produkte verwenden, um seinen Beitrag an eine faire Stadt zu leisten. Auch die Konsumenten seien gefragt. Vuilleumier weiss, dass Fair Trade Produkte manchmal teurer sind. Das Argument, dass sich Familien diese aber nicht leisten können, lässt sie aber nicht gelten: «Wenn ich in einem Einkaufszentrum in die Wagen schaue, sehe ich oft Berge an Produkten.» Weniger sei mehr, so die engagierte Humanistin weiter. Mit dem Finger auf Leute zu zeigen, müsse aber vermieden werden: «Das Moralisieren gilt es zu eliminieren, stattdessen müssen die Leute und gerade auch Kinder aufgeklärt werden.» So erhielten ihre Grosskinder dieses Jahr einen kleineren, fair gehandelten Osterhasen. «Die Kinder wissen aber, dass dafür ein anderes Kind irgendwo auf dem Planet etwas bekommt, was wir bereits schon haben, wie zum Beispiel Schulbildung.»