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Uster ist bald offiziell «Fair Trade Town»

Montag, 29. Januar 2018
FTT-Admin
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Anzeiger von Uster

USTER Fairer Kaffee am Kiosk, fairer Orangensaft im Hallenbad: Was in Uster bereits Alltag ist, soll laut Patricio Frei (Grüne) auch die entsprechende Auszeichnung erhalten. Für den Stadtrat ein unnötiger Mehraufwand - der Gemeinderat war anderer Meinung.
Lea Chiapolini

Das Angebot von fairen Produkten in Uster ist gross, darin sind sich das Ustermer Parlament und der Stadtrat eigentlich einig. Doch nicht alle ziehen daraus die gleichen Schlüsse. In einer Motion fordert Patricio Frei (Grüne) den Stadtrat dazu auf, die Auszeichnung «Fair Trade Town» anzustreben und die dafür nötigen Massnahmen so rasch wie möglich umzusetzen.«In vielen Geschäften und Gastronomiebetrieben werden heute schon Fair-Trade-Produkte angeboten», schreibt Frei in seiner Motion. Auch die Stadt werde sich zunehmends ihrer Verantwortung bei der Beschaffung bewusst. Es gebe aber immer noch Luft nach oben. Die Stadt könne ohne Hilfe aber nicht zur «Fair Trade Town» werden.«Es brauch die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Gewerbe, Gastronomie und schliesslich auch den Konsumenten.» Bereits hätten auch der Claro-Laden und die beiden Ustermer Kirchen ihr Interesse in einem Brief an die Gemeinderäte kundgetan. 

Ohne Auszeichnung fair
Für die Auszeichnung «Fair Trade Town» muss eine Stadt fünf Kriterien erfüllen: Sie bekennt sich offiziell dazu, das Label anzustreben; eine Arbeitsgruppe kümmert sich um die Umsetzung der Ziele; lokale Läden bieten Fair-Trade-Produkte an; Institutionen und Unternehmen werden dazu bewegt, faire Produkte zu verwenden; durch Öffentlichkeitsarbeit wird der Faire Handel der Bevölkerung nähergebracht. In der Schweiz gibt es aktuell fünf «Fair Trade Towns»: Glarus Nord, Bern, Zweisimmen,Frutigen und Carouge.
Patricio Freis Motion wurde bereits vor einem Jahr vom Gemeinderat an den Stadtrat überwiesen. Dieser sah jedoch keinen Handlungsbedarf, wie er in seiner Antwort schrieb. Zwar sei die Schaffung und Erhaltung von guten Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen in Entwicklungsländern ein berechtigtes und zentrales Anliegen. Aber der Stadtrat sei der Meinung, dass die Auszeichnung «nicht der einzige und richtige Weg ist, um den Fairen Handel in Uster zu fördern». Auch ohne diese Auszeichnung unternehme die Stadt bereits einiges, um fair und nachhaltig hergestellte Produkte einzukaufen.

Leben auf Kosten anderer
Mit dieser Begründung erweckt der Stadtrat laut Patricio Frei den Eindruck, den Kern seines Anliegens nicht erkannt zu haben, wie er am Montag an der Sitzung des Gemeinderats ausführte, als die Motion erneut behandelt wurde. «Wenn es darum gegangen wäre, die öffentliche Beschaffung nachhaltiger auszurichten, hätte ich eine andere Motion eingereicht», sagte er. Es gehe darum, gemeinsam eine Dynamik für den Fairen Handel zu entwickeln. Es brauche aber jemanden, der den Lead übernimmt. «Und wer würde sich dafür besser eignen als die Stadt?» Der Grundsatz, dass ein Bauer einen angemessenen Preis für seine Produkte erhalten soll, gelte schliesslich nicht nur in der Schweiz, sondern auch für Kaffeebauern in Honduras.
Unterstützung erhielt Frei von der SP-Fraktion. «Es erstaunt uns, dass die Exekutive die Stadt Uster nicht als «Fair Trade Town» auszeichnen lassen möchte», sagte Monika Fitze (SP). Mit der Auszeichnung werde das bestehende Engagement belohnt. «Alle dürfen wissen, dass sich die Stadt ihrer Verantwortung bewusst ist.» Dieser Meinung schloss sich auch Mary Rauber (EVP) an. «Wir leben nicht nur auf Kosten anderer Generationen, sondern auch anderer Erdteile.» Der Stadtrat betone, dass die Stadt bereits vieles gut mache. «Warum geht er denn darum nicht auch die letzte Meile und macht Nägel mit Köpfen?»

Debatte um Verantwortung
Die SVP-EDU-Fraktion schlug sich hingegen auf die Seite des Stadtrats, der den Arbeitsaufwand der entsprechenden Arbeitsgruppe auf 80 Stunden im ersten Jahr und danach 40 Stunden jährlich wiederkehrend schätzt. Dazu würden Kosten von jährlich 10'000 Franken für Marketing und Durchführung von Veranstaltungen kommen. «Es ist nicht die Aufgabe der Stadt Uster, Fair Trade zu fördern, sondern liegt in der Verantwortung des Konsumenten», führte Dominik Steiner (SVP) aus.
Die Mehrheit des Gemeinderats entschied sich in der anschliessenden Abstimmung für die Auszeichnung und erklärte die Motion mit 18 zu 15 Stimmen für erheblich. Somit wurde festgesetzt, dass der Stadtrat die Umsetzung an die Hand nehmen muss.