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Wil soll eine faire Stadt werden

Montag, 4. Januar 2016
ToyaFTT
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St. Galler Tagblatt

Gemeinden, die sich für fairen Handel einsetzen, werden mit dem Label Fair Trade Town ausgezeichnet. Wil könnte
die erste Ostschweizer Stadt werden, die diese Auszeichnung erhält. Dafür muss der Stadtrat aber grünes Licht geben.

PERRINE WOODTLI
Eine Vorbildstadt für fairen Handel. Das soll Wil werden, zumindest wenn es nach der SP-Fraktion des Wiler Stadtparlaments geht. Im Dezember hat sie eine entsprechende Motion eingereicht.Gefordert wird, dass sich Wil für die Auszeichnung Fair Trade Town der Organisation Swiss Fair Trade bewerben soll (siehe Infokasten). «Wil soll als gutes Beispiel vorangehen», sagt SP-Stadtparlamentarier Kilian Meyer.

Bestimmte Anforderungen
Mit der Auszeichnung ist auch ein Aufwand verbunden: Die Stadt muss pro Jahr eine Veranstaltung zum fairen Handel organisieren, die Stadtverwaltung muss mindestens drei Fair-Trade-Produkte verwenden (eines davon ist Kaffee). Zudem müssen in der Stadt eine bestimmte Anzahl Läden, Gastronomiebetriebe, Schulen, Vereine und Unternehmen Fair-Trade-Produkte anbieten oder verwenden. Die SP-Fraktion schreibt in der Motion, dass es für Wil nicht schwierig sein dürfte, diese Voraussetzungen zu erfüllen. «Klar, kostet dies die Stadt Geld», sagt Meyer. «Ich denke aber, dass sich alles in einem vernünftigen Rahmen befindet. Wenn es für Tausende Städte möglich ist, zur <Fair Trade Town> zu werden, ist es das auch für Wil.» Von den 45 Mitgliedern des Stadtparlaments haben 22 die Motion unterschrieben, darunter auch Vertreter von CVP und FDP.

250 Gemeinden sind aktiv
In der Schweiz wurde die Kampagne 2014 lanciert. Bislang konnte noch keine Gemeinde ausgezeichnet werden. Kampagnenleiterin Toya Krummenacher zeigt sich mit dem bisherigen Verlauf dennoch zufrieden: «Über 250 Gemeinden sind in Sachen <Fair Trade Town> aktiv.» In diversen Orten seien Arbeitsgruppen gegründet worden. Aktive Gemeinden haben den Status Rot auf der Webseite. Diejenigen, die sich für die Auszeichnung bewerben, erhalten den Status Orange. «In diesen Gemeinden wurde ein politischer Beschluss gefasst. Damit machen sie sich offiziell auf den Weg zur Auszeichnung.» Bis jetzt haben sich schweizweit vier Gemeinden beworben: Delemont,Zweisimmen, Glarus Nord und Capriasca. Eine Bewerbung aus den Ostschweizer Kantonen St. Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden lässt laut Krummenacher noch auf sich warten. In einigen Gemeinden würden sich aber bereits Privatpersonen engagieren. Was viele Gemeinden vom Mitmachen abhalte, seien die Finanzen, sagt Krummenacher.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen
Ursprünglich wollte Swiss Fair Trade bis Ende 2015 die erste Auszeichnung verleihen. Dieses Ziel habe man knapp nicht erreicht, sagt Krummenacher. Man rechne nun aber damit, dass Anfang dieses Jahres die erste Schweizer «Fair Trade Town» gekürt werde. Wer das sein wird, kann die Kampagnenleiterin noch nicht sagen. «Derzeit ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Zweisimmen und Glarus Nord. Beide sind sehr gut unterwegs.» Spannend findet Krummenacher, dass die beiden Bewerber sehr unterschiedlich sind. «Zweisimmen ist eine kleine Gemeinde, Glarus Nord eine mittelgrosse. In Zweisimmen sind es vor allem Private, die sich für <Fair Trade Town> einsetzen. In Glarus Nord koordiniert dies vorwiegend die Verwaltung.» Das zeige, dass die Kampagne in unterschiedlichen Orten, die unterschiedlich organisiert sind, funktioniere. «Jede Gemeinde hat also das Potenzial zur <FairTrade Town>.» Toya Krummenacher hofft, dass dieses Jahr viele «Fair Trade Towns» entstehen werden. «Aktuell sind es rund 15 Gemeinden, die derzeit ihre politischen Beschlüsse vorbereiten. Es geht also schnell voran.»

Thema im Stadtrat
Ob Wil überhaupt irgendwann eine «Fair Trade Town» wird, steht noch in den Sternen. Der Stadtrat wird sich laut Kilian Meyer Anfang dieses Jahres mit dem Thema auseinandersetzen. Nimmt der Stadtrat sich der Kampagne an, stehen Wil einige Aufgaben bevor. Den Kaffee in der Stadtverwaltung auszuwechseln wäre ein Anfang.
 

Fair Trade Town - Das Engagement der Gemeinden sichtbar machen
«Fair Trade Town» ist eine Auszeichnung für Städte und Gemeinden, die sich für fairen Handel engagieren. Die Kampagne entstand 2000 in England. Aus der ursprünglich nationalen Idee wurde mittlerweile eine internationale: Die Kampagne läuft heute in über 1600 Städten in mehr als 25 Ländern, darunter auch in Städten wie Rom und Brüssel, aber auch in Gebieten in Afrika oder Libanon. Das Herzstück der Kampagne ist die Web-Plattform, auf der jede Gemeinde ein Fair-Trade-Profil besitzt, das laufend ergänzt werden kann. Initiant ist Swiss Fair Trade, der Dachverband der Fair Trade-Organisationen in der Schweiz. Unterstützt wird Fair Trade Town vom Staatssekretariat für Wirtschaft. (woo)
www.fairtradetown.ch